Reise durch Österreichs Klosterbibliotheken

Vor 50 Jahren wurden von einer amerikanischen Benediktineruniversität die mittelalterlichen Handschriften in Österreichs Klöstern mikroverfilmt. Jetzt begibt sich Matthew Heintzelman, Kurator des Austria/Germany Study Center, Hill Museum & Manuscript Library (facebook) erneut auf eine Tour durch österreichische Klosterbibliotheken und beschreibt diese auf seinem Blog.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem so viele Kulturgüter vernichtet wurden, beauftragte Papst Pius XII. den Benediktinerpater Colman Barry von der St. John’s Abbey in den USA (Collegeville, Minnesota), ein Konzept für die Sicherung von mittelalterlichen Handschriften zu erarbeiten. Da Schriftlichkeit im Mittelalter zu einem großen Teil in Kirchen und Klöstern gepflegt wurde, befinden sich bedeutende Teile der handschriftlichen Überlieferung dieser Zeit in kirchlichen Besitz. P. Colman Barry initiierte als Rektor der Saint John’s University ein großangelegtes Projekt zur Mikroverfilmung mittelalterlicher Manuskripte in europäischen Bibliotheken. Damit sollten diese Handschriften auch den Geschichtsforschern in den Vereinigten Staaten zugänglich gemacht werden. Eine amerikanische Stiftung, die Hill Family Foundation, stellte 1964 die Grundfinanzierung, österreichische Stifte trugen ebenfalls zum Unternehmen bei. Seitdem haben Hill Museum & Manuscript Library (früher „Hill Monastic Manuscript Microfilm Library“) über 135.000 Handschriften mikroverfilmt bzw. digitalisiert.
Das Austria/Germany Study Center betreut rund 50.000 Mikrofilme von mittelalterlichen Handschriften aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Zusammenarbeit mit den österreichischen Bibliotheken begann P. Oliver Kapsner OSB im Jahr 1965 im Stift Kremsmünster. Mit einem VW-Bus und zwei Mikrofilmkameras ausgerüstet, haben P. Oliver, sein Nachfolger P. Urban Steiner OSB und deren österreichische Assistenten in sieben Jahren 30.000 Handschriften aus der Zeit vor 1550 in Österreich mikroverfilmt. Das Projekt verfolgte zuerst nur die Verfilmung von Manuskripten in klösterlichem Besitz, wurde dann aber auf andere Bibliotheken ausgeweitet.
50 Jahre später, zum Jahreswechsel 2013/2014, hat sich Matthew Heintzelmann, der Kurator des Austria/Germany Study Centers, auf die Reise begeben, um erneut die österreichischen Handschriftensammlungen zu besuchen. Er folgt dabei den Aufzeichnungen, die P. Oliver Kapsner seinerzeit in den Klöstern gemacht hat. In seinem Blog beschreibt er anschaulich seine Klosterbibliothekenreise. Auch interessante Informationen über die Arbeit P. Kapsners in den 1960er Jahren sind hier zu finden, darunter eine Bilddokumentation über die Mikroverfilmung der mittelalterlichen Handschriften in Stift Seitenstetten.
In den Klöstern wird der weitgereiste Gast freundlich empfangen und es ergeben sich manch anregende Gespräche mit Bibliothekaren. Aus der Handschriftensammlung des Schottenstiftes berichtet Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier vom Besuch aus Amerika auf der Facebookseite des Stiftsarchivs.