Mittelalterliche Handschriften aus Österreichs Klöstern

Das österreichische Handschriftenportal www.manuscripta.at hat ein Makeover erfahren und präsentiert sich in neuem Outfit. Das ist der Initiative von Christine Glaßner, der Leiterin der Abteilung für Schrift- und Buchwesen des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu verdanken. Der Benützerkomfort und die Übersichtlichkeit sind bedeutend verbessert worden. Man findet jetzt auch Volldigitalisate mittelalterlicher Handschriften, auch aus Österreichs Klöstern, die im sehr professionellen und für den Handschriftenforscher optimalen „Heidelberger Viewer“ angesehen werden können.
In den Bibliotheken von rund 50 österreichischen Klöstern werden über 11.000 mittelalterliche Handschriften verwahrt (Bestandsdaten von Christine Glaßner, überwiegend auf Grundlage von HMML erstellt 2013). Das ist ein beträchtlicher Anteil am Gesamtbestand von mittelalterlichen Handschriften in Österreich, der der, durch keine Säkularisation wie in Frankreich oder Deutschland unterbrochenen langen Tradition der österreichischen Klöster zu danken ist. Die Erschließung und Digitalisierung eines solch gewaltigen Bestands ist eine große Herausforderung. Nimmt man für eine Handschrift einen durchschnittlichen Umfang von 250 Blättern an, dann sind das 500 Digitalaufnahmen. Für alle Handschriften fallen also über 5 Millionen Aufnahmen an. Für Digitalisierung und Aufbereitung der Daten benötigt eine Person an einem Scanner pro Handschrift einen halben bis ganzen Tag.
Noch mühsamer und aufwändiger ist die Erstellung eines Handschriftenkatalogs. In mehreren österreichischen Stiften sind derzeit Forscher mit der Erstellung solcher Kataloge beschäftigt. Die ehemaligen Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften Franz Lackner und Alois Haidinger arbeiten auch in ihrer Pension weiter, und zwar am romanischen Handschriftenbestand des Stiftes Heiligenkreuz. Ihre paläographische Arbeit – Bestimmung von Handschriften durch Schriftvergleiche – kann man auf ihrer Website www.scriptoria.at nachverfolgen.