Gedenksymposium für Floridus Röhrig

Am 27.April 2015, am Vorabend seines Todestags, trafen einander rund 50 Freunde, Weggefährten und Kolleginnen und Kollegen von Floridus Röhrig im Dekanatssaal der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Der Chorherr des Stiftes Klosterneuburg, Professor für Kirchengeschichte und Stiftsarchivar, -bibliothekar und Sammlungskustos verstarb vor einem Jahr. Das Gedenksymposium war eine Würdigung seines vielfältigen Schaffens und seinem Andenken gewidmet. Eingeladen hatten das Institut für historische Theologie der Universität Wien, das Institut für Österreichische Geschichtsforschung, das Referat für die Kulturgüter der Orden und das Stift Klosterneuburg.
H. Nicolaus Buhlmann CanReg., Nachfolger von Herrn Floridus in den Stiftsämtern, ließ noch einmal das Leben seines Mitbruders Revue passieren und teilte auch die persönlichen Erinnerungen des Konvents an ihn. Manch unbekannte Facette von Herrn Floridus' reichem Leben trat da zum Vorschein, etwa dass sein erster Berufswunsch Architekt war und er auch ein Semenster an der TU Wien studiert hatte, bevor er zu Geschichte und Kunstgeschichte wechselte. Dass er nach seiner Konvertierung zum Katholizisimus - er enstammte einer evangelischen sudetendeutschen Familie - eigentlich zuerst Dominikaner werden wollte, man ihm aber wegen seiner delikaten Gesundheit und der damals noch sehr aszetischen Lebensweise der Predigerbrüder abriet und ihm das Stift Klosterneuburg empfahl. Im Stift bewahrt man die Erinnerung an einen Mitbrüder, der Gespräche mit jedermann und auf liebenswürdige Art führen konnte, der vielseitig interessiert und engagiert war.
Thomas Prügl, Professor für Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und Initiator des Symposiums widmete sich in seinem Vortrag der Geschichte der Bibelauslegung im Hochmittelalter. Er erläuterte die typologische Exegese, in der ein Geschehen des Neuen Testaments Vorbilder im Alten Testament findet, verwies auf die zahlreichen bildlichen Darstellungen und diesbezügliche Bildprogramme in der Schrift "Pictor in carmine". Die Bilderbibel sollte Belehrung für die Unwissendenden, aber in gleicher Weise Erbauung für die Gelehrten sein. Von dieser mehr betrachtenden Schriftlesung fand das 12. Jahrhundert zu einer schulmäßigeren, scholastischen Form. An die Stelle einer Schriftlesung, in der der Lesende durch die Deutung der drei Schriftsinne - des historischen, des allegorischen und des moralischen (siehe die Auslegung Gregors des Großen in seinen Moralia in Job) zum Tugendleben hingeführt wird, trat die wissenschaftliche Methode, die sich der philosophischen Argumentation bediente (Einfluss des Aristoteles). Das Verstehen der Schrift zielte nicht mehr auf ein persönlich-moralisches "Exerzitium", sondern analysierte den Text zunehmend nach objektiven Kriterien. Im 13. Jahrhundert hatte sich die Schriftauslegung vor der aristotelischen Wissenschaftslehre zu verantworten. Alexander von Hales wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Hl. Schrift nicht die philosophisch-rationale Vernunft anspreche, sondern als Weisheit den "affektiven" Teil der Seele, also die Glaubensfrömmigkeit aktivieren möchte. Die Heilige Schrift will Glauben hervorbringen, sie bediene sich dafür verschiedener literarischer Modi: Prophetie, Gebote, Gebete etc. Dionysius Areopagita sensibilisierte schließlich mit seiner "mystischen Theologie" die Exegeten für die Dynamik metaphorischer Sprache als solcher.
Christian Lackner, Professor für Mittelalter und historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien, behandelte die Beziehungen Herzog Rudolfs IV. zum Stift Klosterneuburg. Er untersuchte das dazu überlieferte Urkundenmaterial und strich als wichtigsten Berührungspunkt des Herzogs zu den Chorherren den Klostergründer und Babenberger Leopold hervor. Rudolf IV. initiierte die Kanonisation seines Amtsvorgängers als österreichischen Landesfürsten. Der Herzog führte auch als erstes das heute niederösterreichische Landeswappen, fünf goldene Adler in blauem Feld, das zuerst auf Glasfenstern im Kreuzgang des Stiftes als Wappen Leopolds dargestellt ist und von dort vermutlich von Rudolf übernommen sein dürfte.
Martina Pippal, Professorin für Kunstgeschiche an der Universität Wien, widmete sich in ihren Ausführungen dem Verduner Altar in Stift Klosterneuburg. Sie sprach sich dafür aus, dass die Emailtafeln des 12. Jahrhunderts, die ursprünglich eine Amboverkleidung darstellten, nicht auf der Höhe eines Letterns angebracht waren, sondern auf einer ebenerdig oder auf einem Postament stehenden Kanzel. Sie diskutierte auch Fragen des Programmwechsels - die typologische Serie bricht im Bildprogramm ab und endet mit Darstellungen des Weltgerichts -, des Autors des theologischen Programms und des Ausführungsorts, den sie eher in Lothringen oder dem Rheinland vermutet als im Stift Klosterneuburg.
Maximilan Alexander Trofaier, Stiftsarchivar der Wiener Schottenabtei, begab sich auf die Spurensache nach den iroschottischen Mönchen im Schottenstift und führte die archivische und die Quellenarbeit in der mediävistischen Forschung vor, der auch Herr Floridus sehr verbunden war. Er zeigte anhand von Urkunden, Annalen, Nekrologien und Universitätsmatriken, wie sich prosopographische Daten erheben lassen und auf welche Schwierigkeiten der Forscher hier trifft.
Die Veranstaltung endete mit einem Emfpang des Direktors des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, bei der ein Glas guten Klosterneuburger Weins im Gedenken an Herrn Floridus erhoben wurde. Mit dem Symposium haben wir nicht nur seine Forschungen gewürdigt, sondern auch eines lieben Freundes und Kollegen gerne gedacht.