Der "Schlierbachplan"

Das Institut für Österreichische Geschichtsforschung berichtet am 11. November 2014 von der Veröffentlichung des sogenannten "Schlierbachplans", eines kostbaren und für die Forschung höchst bedeutsamen historischen Plans der Stadt Wien, der dem Stift Schlierbach gehört:
"Im Stiftsarchiv Schlierbach (Oberösterreich) findet sich, 1980 erstmals publiziert, ein wunderbarer Plan der Stadt Wien, der vor allem adelige Freihäuser, aber auch die Kirchen Wiens zeigt. Der polyglotte humanistisch geprägte protestantische Adelige Job Hartmann von Enenkel (1576–1627) zeichnete diesen Plan, der eine Planlücke in der Wiener Stadtgeschichte zwischen der ersten und zweiten Belagerung der Stadt durch die Osmanen füllt. In den frühen 1620er Jahren geriet die Stadt durch die zahlreichen Freihäuser, aber auch die Kirchen der neuen, gegenreformatorischen Orden unter stärkeren finanziellen Druck – der Plan sollte hier eine Grundlage für die Verhandlungen zwischen dem Landesfürsten und der Residenzstadt schaffen. Ein besonderes Faszinosum des im Stiftsarchiv Schlierbach verwahrten Wien-Planes sind die vielen, bislang wenig beachteten Details, die in den Plan eingetragen wurden: Festungen, Basteien, Stadttore, aber auch die Waffenlage (Arsenale) scheinen in diesem auch ästhetisch gelungenen Plan auf."
Der Wienplan ist Teil der Bibliothek von Job Hartmann von Enekel, die seit dem 18. Jahrhundert dem Stift gehört. Enekel hatte schon in Leombach, dem Besitz seiner ersten Frau Margarete, eine umfangreiche Bibliothek angelegt, die er nach Margaretes Tod auf sein Schloss Lichtenegg bei Wels verbrachte  Das Schloss erbte nach seinem Tod seine Tochter Judith Elisabeth. Die Bibliothek ist bis 1727 auf Lichtenegg nachweisbar. Dann begann der damalige Besitzer Graf Mannstorf mit Renovierungsarbeiten und ungefähr um diese Zeit dürfte die Bibliothek an Stift Schlierbach verkauft worden sein. Abt Christian Stadler ließ damals gerade die Stiftsbibibliothek vergrößern und bemühte sich um die Erweiterung des Buchbestands (nach: Klaus Rumpler, Job Hartmann von Enekel und die Stiftsbibliothek Schlierbach, in: 650 Jahre Stift Schlierbach, Red. Ludwig Keplinger, Schlierbach 2005).
Die Präsentation des Buches über den Schlierbachplan findet am 15. November 2014 im Rahmen der Wiener Buchmesse statt.
Ferdinand OPLL–Martin SCHEUTZ, Der Schlierbach-Plan des Job Hartmann von Enenkel. Ein Plan der Stadt Wien aus dem frühen 17. Jahrhundert (Quelleneditionen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 13, Wien–München 2014). 232 Seiten, mit drei Faksimile-Beilagen (Schlierbach-Plan, Angielini-Plan und Umzeichnung).
Siehe http://bioeg.hypotheses.org/765