Bibliotheks-Schätze in Zwischenkriegszeit verkauft

P. Alkuin Schachenmayer berichtet auf seinem Blog http://cistercium.blogspot.co.at über die Erforschung der Heiligenkreuzer Stiftsbibliothek in der Zwischenkriegszeit, als - wie in zahlreichen Klöstern - aus finanzieller Not wertvolle Buchbestände verkauft wurden:
"In den Jahren 1925 und 1926 wurde mehr als ein Drittel des Heiligenkreuzer Inkunabelbestandes verkauft, dazu kamen viele frühneuzeitliche Drucke. In einem spannenden neuen Aufsatz von Katharina Kaska (Angaben unten) wird beschrieben, wie zu dieser Zeit Händler wie Goldmann, Rosenthal und andere aus München, London und New York geradezu über die österreichischen Stifte herfielen. In Händlerkreisen hatte sich herumgesprochen, dass man dort leicht an wertvolles Material komme.
Die ersten Heiligenkreuzer Verkäufe liefen direkt über Mitbrüder, die zwar die Erlaubnis ihres Abtes dazu hatten, nicht aber die Genehmigung von offiziellen Stellen wie Bundesdenkmalamt oder Nationalbibliothek. Auf ernsthafte Widerstände stieß man in Heiligenkreuz erst, als Patres versuchten, Handschriften zu verkaufen. Dem Historiker und Bibliothekar Ottokar Smital (1885-1932), Leiter der Handschriftensammlung der Nationalbibliothek, gebührt Anerkennung für seine Sorge um Heiligenkreuz: Er hat besonders kritische Verkäufe aus dem Wienerwaldkloster verhindert. Die Lage der Heiligenkreuzer Bibliothek (wo schließlich "nur" drei Handschriften verkauft wurden) ist im Vergleich zu anderen Stiften verhältnismäßig gut verlaufen; die Verluste anderer Klöster waren viel schmerzlicher. Heute noch muss man beobachten, wie auf den Markt geratene Klosterhandschriften (etwa Lambachs Cml XVIII) für sechstellige Eurobeträge von Christie's versteigert werden, wobei sie in den 1920ern von Stiften für einen Bruchteil dessen verkauft wurden. Das Schlimmste an der Angelegenheit ist, dass die Verkaufspreise damals so lächerlich gering waren und den Klöstern in ihrer wirtschaftlichen Not keine langfristige Hilfe darstellten."
Lit: Katharina Kaska, Also muss die Bibliothek dran glauben. Versuchte und gelungene Handschriften- und Inkunabelverkäufe des Stifts Heiligenkreuz in der Zwischenkriegszeit, in:
Mitteilungen aus dem Niederösterreichischen Landesarchiv / NÖLA 17 (2016) 387-417.